Wann hat der Wahnsinn endlich ein Ende?

Als am Montagabend der HSV im zweiten Jahr in Folge auf dem letzten Drücker den Abstieg vermied, war die Empörung in Fußball Deutschland groß. Dass am Dienstagabend 1860 München ähnlich knapp wie dramatisch die kleine Relegation (2./3. Liga) für sich entschied, rundet das Gesamtbild desillusionierend ab. Während bei 1860 lediglich die Nachspielzeit für den Dusel Klassenerhalt herhalten musste, wurde die Partie KSC-HSV durch eine katastrophale Fehlentscheidung in derselben entschieden.
Doch was ist die Relegation eigentlich?
Böse Zungen behaupten die Relegation wäre eine legitimierte Wettbewerbsverzerrung seitens der DFL zum Schutz der Branchenriesen. Christoph Metzelder nannte sie im „Sport 1 Doppelpass“ scherzhaft ein Konjunkturprogramm für die 1. Ligisten.

Ihren geschichtlichen Anfang fand sie zwischen den Jahren 1982 und 1991. Wurden die Entscheidungsspiele 1991 auf Drängen der Vereine wieder abgeschafft, fragt man sich warum sie 2004 vom ehemaligen Geschäftsführer der DFL Werner Hackmann wieder zur Diskussion gestellt wurden, war doch das damalige Argument der Vereine, dass sie erst zu spät über Planungssicherheit für die neue Saison verfügen, 13 Jahre später nicht weniger aktuell. Zumindest laut einer Befragung der damaligen Bundesligamanager sprach sich ein Großteil für die Wiedereinführung aus. Ob dabei auch die Manager aller 2.Liga Vereine berücksichtigt wurden, darf zumindest leicht angezweifelt werden, schließlich stellt die Relegation definitiv maximal eine Gnadenfrist für den Bundesligisten, anstatt einer Einladung für den aufstrebenden Fußballzwerg dar. Die Ergebnisse der letzten Jahre stützen diese These. Zwar konnte 2009 der 1.FC Nürnberg gegen die finanzschwachen Cottbusser aufsteigen, gelang dies lediglich im Jahr 2012 der Fortuna aus Düsseldorf gegen Hertha BSC. Ein Verein, der seit Jahren auf einer Erfolgswelle schwebte und von der Regionalliga bis in die Bundesliga marschierte. Im Jahr 2010 scheiterte der FC Augsburg an Nürnberg, 2011 der VfL Bochum ebenfalls in der Nachspielzeit an Mönchengladbach, 2013 Kaiserslautern am Milliardärsclub aus der Fußballprovinz Hoffenheim und im Jahr 2014 Greuther Fürth ebenfalls am HSV. Abgesehen von diesen Fakten ist eine zu bestreitende Relegation im Vergleich zu den 80er Jahren eine ungleich schwerere Aufgabe für die Zweitligisten. Gehen doch die unterschiedlichen finanziellen Zuwendungen aus der TV-Vermarktung noch deutlicher auseinander. Zum Vergleich, der 18te der 1. Liga erhält 18.6 Mio, der 1. der zweiten Liga mit 8,6 Mio rund 10 Mio weniger. Mit diesen untermauernden Zahlen erscheint auch eine weitere damalige Aussage von Werner Hackmann wie ein schlechter Scherz. Die Relegation biete zusätzliche Spannung und eine „finanzielle Chance“ für die Vereine. Hiermit war wohl die zusätzliche Vermarktung der Spiele gemeint, welche aber wohl kaum die Diskrepanz zwischen den Ligen aufwiegen kann. Abgesehen von den finanziellen Folgen für die klammen Zweitligisten spielt auch die Psychologie eine Rolle. Das sieht man beispielsweise an den sportlichen Abstürzen des VfL Bochum oder der Spielvereinigung aus Fürth in den nachfolgenden Jahren. Auch der 1.FC Kaiserslautern sieht sich nachdem 3. verpassten Wiederaufstieg in Folge mit schwierigen Zeiten konfrontiert.

Die Mär von der Spannung bemühte auch Werner Hackmanns Nachfolger Holger Hieronymus bei der Wiedereinführung 2009. In Wirklichkeit sind die Hinspiele vom Streben nach großer Sicherheit und wenigen Torchancen geprägt. Regiert in den Hinspielen zumeist noch die Angst liegen im Rückspiel die Nerven blank. Während ruppige Spielweise, der verzweifelte Versuch Elfmeter zu schinden und endloses Diskutieren beim Schiedsrichter zum modernen Fußball leider dazu gehören, haben Unsportlichkeiten wie im Jahr 2014 von Pierre Michel Lasogga gegen die Fürther Bank im Fußball definitiv nichts zu suchen. Auch wenn der Spieler nicht gerade für seine Freundlichkeit auf dem Platz bekannt ist, dürfte der Zeitpunkt der Aktion auf die sogenannte Spannung zurückzuführen sein.

Auch für die Fans sind die Spiele eine Qual. Dies durfte ich persönlich 2011 bei den Relegationsspielen meines VfL gegen Mönchengladbach erfahren. Bei den Relegationsspielen kommt es vermehrt zu extremen Verhalten der Fans. Während der Einsatz von Pyrotechnik bei fast allen Spielen stattfand, wurde zuletzt ein verletzter HSV Spieler von den enttäuschten KSC Fans mit Allem beworfen was zur Verfügung stand.
Beim Hinspiel kam es außerdem sogar zu einem äußerst traurigen Ereignis. Ein KSC Fan erlitt im Gästeblock einen Herzinfarkt und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Wenn das die Folgen der angepriesenen Spannung sind, dann kann jeder Fußballfan mit Sicherheit darauf verzichten.Im Internet gibt es nun zum ersten Mal eine Onlinepetition. Dort können alle Fußballfans virtuell für eine Abschaffung der Relegationsspiele stimmen. Wir haben unsere eigenen Ideen zur Thematik. Nach dem Düsseldorfer Platzsturm 2012 wurde eine wochenlange Diskussion über die Sicherheit beim Fußball geführt. Selbst die Abschaffung der Stehplätze stand ernsthaft zur Debatte. Abschaffung ist schon der richtige Ansatz. Die Deutsche Fankultur sollte dabei aber als höchstes Gut des Fußballs geschützt werden, stattdessen wären die sinnlosen Nervenkriege Ende Mai eine wahre Wohltat.

Wir hätten sogar noch einen Lösungsvorschlag, mit dem die DFL vermutlich auch gut leben könnte. Ich wäre für eine Aufstockung der 1. Bundesliga auf zwanzig teilnehmende Vereine. Dabei könnte man dann mit 3 Absteigern sogar die besten 17 schützen, die TV-Vermarktung könnte auch gesteigert werden und gleichzeitig würde man eine passende Antwort auf die Verdrängung der Traditionsvereine durch finanzstarke Emporkömmlinge wie Wolfsburg, Hoffenheim oder Leipzig geben.

Relegation abschaffen, hier abstimmen!