Rückblick auf Freitag

Freitagabend war es dann soweit: Der VfL war auserkoren, gegen den FC St.Pauli die neue Saison in Liga 2 zu eröffnen. Nervt es sonst doch massivst nach einer langen Sommerpause noch zwei Tage länger warten zu müssen, war auch der Freitagstermin unter den gegebenen Umständen für die meisten Fans, Hamburger wie Bochumer, mehr Fluch als Segen.

Der größte Aufreger des Abends ereignete sich bereits einige Minuten vor dem Anpfiff.

Der Auslöser, die DFL, bestand mal wieder auf eine grandiose Eröffnungsshow, für welche das gewohnte Vorspiel zeitlich selbstredend weichen musste. Highlights, wie die Mannschaftsaufstellung, mein VfL und Grönemeyer waren betroffen. So, dass viele Fans noch gar nicht im Stadion waren und zu gewohnter Zeit dann statt Michael Wurst und dem Maskottchen des Tages ferngesteuerte Helfer im Auftrag der DFL bestaunen durften.


Die Reaktion der Fans war auf beiden Seiten eindeutig. Das Stadion pfiff die gesamte Choreo kaputt, ähnlich der Helene-Show im Pokalfinale. Dazu wurden mehrere Banner auf beiden Seiten gezeigt.
Die Reaktion des PayTV Senders Sky war wiederum genauso zu erwarten, wie die Reaktion der Fans selbst. Erneut wurden die Pfiffe im TV einfach rausgepegelt und die Fanblöcke ausgeblendet.
Der Grund hierfür ist naheliegend. DFL und PayTV stehen in engem Kontakt zueinander. Sky zahlt und verlangt seine Interessen durchzusetzen. Die absurde Ansetzung von Spielterminen und Halbzeitshows sind ihr Verdienst. Die Verbände liefern und die wahren Fans haben darunter zu leiden...Relegation, Pyrodebatte, Sicherheitskonzepte an der Grenze unseres Grundgesetzes, Spieltagszerstückelung und Halbzeitshows nach NFL Vorbild. Die Liste wäre unendlich fortzuführen und wird zum Leidtragen der aktiven Fanszenen, in den nächsten Jahren weiter anwachsen.
Man gewinnt mehr und mehr den Eindruck, der fußballinteressierte TV Kunde ist die neue Zielgruppe, die Fans im Stadion nur noch lästig.

Aber der Fußball wäre ohne unsere über Jahrzehnte gewachsenen Fankultur nicht so, wie wir ihn heute kennen. Man kann die Problematik auch nicht mehr mit ein paar randalierenden Jugendlichen abtun. Der gesetzte Herr auf der Haupttribüne hat im Ruhrstadion genauso seinen Unmut geäussert, wie die Ultras im Mittelpunkt der Kurve.
Es scheint so, als wäre nach der Dresdener "Krieg dem DFB" Aktion , dem Pokalfinale und den neuerlichen Vorfällen der Zeitpunkt der Eskalation gekommen. Auch am Samstag folgten in unteren Ligen weitere Proteste...

Der Grund, durch welchen wir nochmal auf gestern zurückblicken wollten, lieferte aber letztendlich ein Interview von Christian Hochstätter.

Beschwert sich unser Vorstand zwar seit Monaten über den ungerechten neuen TV Vertrag, so brachte er für die Vorfälle vom Freitag null Verständnis auf.
Nun gut, es kann ja jeder seine eigene Meinung dazu haben und natürlich steht diese auch den verantwortlichen Vereinsvertretern ebenso zu wie den Fans.
Pikant wird diese Geschichte jedoch durch die Art und Weise, wurden doch die Fans kritisiert, sie hätten Kinder ausgepfiffen für die ein großer Traum in Erfüllung gegangen sei. Schon interessant, wo doch das Mindestalter für die Bewerbung bei 16 Jahren lag. Auch eine Altersobergrenze gab es aufgrund der Voraussetzung körperlicher Fitness. Vielleicht ging es doch nicht darum, Träume zu verwirklichen, als viel mehr ins konzipierte Bild zu passen. Dass der Protest sich gegen die Show und nicht die Personen auf dem Feld richtete, war außerdem auch für den letzten Eventheini ersichtlich.

Aber auch an diesem Beispiel wird deutlich, wie der neue Fußball funktioniert. Von den Vereinen und Offiziellen wird Gehorsam erwartet. Die betroffenen Personen müssen extrem aufpassen, die Verbände nicht zu verärgern. Willkürliche Geldstrafen sind keine Seltenheit. Eine Abgrenzung zur geschlossenen Elite des Deutschen Fußballs kann Karrieren nachhaltig schädigen.

Wir sind mündige und kritische Fans. Daher war es uns wichtig, hier nicht Christian Hochstätter persönlich an den Pranger zu stellen, sondern wollten einfach objektiv und kritisch Stellung beziehen.
In Anlehnung an unser Leitbild, Stichwort "Unbeugsam" und der angeprangerten Ungerechtigkeiten, gerade in der Ausgliederungs-Debatte, möchten wir aber unserem Sportvorstand mit auf den Weg geben, Fannähe und Verständnis für die Fans sind kein Verbrechen und hätten ihm eine Menge Symphatiepunkte eingebracht, an einem eh schon für alle Beteiligten unerfreulichen Abend.